Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Samstag, 16. März 2013

4. Woche der Fastenzeit - Samstag

Weisheit und Vorurteil 

4. Woche der Fastenzeit - Samstag

1. Lesung:       Jer 11, 18-20
Antwortpsalm: Ps 7, 2-3.9-10.11-12 (R: vgl. 2a)
2. Lesung:       
Evangelium:    Joh 7, 40-53
Direkt zum      Schott-Messbuch

Jeremia ist ein prophetisches Bild für den Erlöser. Gott offenbart ihm, dass man ihm nach dem Leben trachtet. Er erkennt, was heimlich gegen ihn geplant ist. 
Die beinahe tragische Gestalt des Jeremia zeugt dennoch von ungebrochener Hingabe und einer letztlich arglosen Dienstbereitschaft, die immer hofft und Gottes Recht im Volk eine Stimme verleihen will. 
Jeremias Leben ist ein einziges Opfer für die Wahrheit und Gerechtigkeit, denn er muss unglaublich viel Unrecht und Niederlagen erdulden. Sein Alltag ist erfüllt mit Enttäuschung, Verrat und tiefem, inneren Schmerz, der darin besteht, zwischen Gott und dem Volk zu stehen, das halsstarrig und uneinsichtig, ja böse und hinterhältig ist.
"Der Herr ließ es mich wissen, und so wusste ich es; damals ließest du mich ihr Treiben durchschauen. Ich selbst war wie ein zutrauliches Lamm, das zum Schlachten geführt wird"
Im Bild des Lammes leuchtet heute Christus auf, der Unschuldige, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt. 

Er selbst hat den Jüngern ebenfalls vorausgesagt, dass er leiden müsse und auch, dass niemand ihm das Leben nehmen wird, weil er es freiwillig gibt - für das Leben der Welt. 
"Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen." (Joh 10,17-18a)   

Wir lesen heute: "Aber der Herr der Heere richtet gerecht, er prüft Herz und Nieren. Ich werde sehen, wie du Rache an ihnen nimmst; denn dir habe ich meine Sache anvertraut."
Die Rache Gottes ist nicht eine Rache der Zerstörung, sondern die Vergeltung Gottes wird Gott selbst vollbringen - im Sühnetod und Opfertod seiner selbst im Sohn. 
Die Vergeltung Gottes ist die Erlösung, die allein dem Tod und dem Bösen Untergang und Niederlage bringt.

Das ist es, was geschieht, wenn wir  in Jesus Christus unsere Sachen Gott anvertrauen, wie Jeremia. 
Wir werden nicht sehen, wie die "böse Welt" und die "Ungläubigen" niedergemacht werden ... sondern wir sind berufen, in der Nachfolge Jesu (ein wenig ähnlich dem Propheten) unser ganzes Leben in die Waagschale zu werfen, mit unserem ganzen Leben für die Wahrheit Gottes einzustehen, ... damit die Welt gerettet wird. 
Wir werden in der "Rache Gottes" nichts von unseren eigenen Rachegefühlen und unserem Vergeltungsdrang wiederfinden, sondern wir sind berufen, dem Lamm zu folgen, das sein Leben hingab! 
Wir sind berufen, Jesus zu folgen, der starb, um denen, die ihn durchbohrten und die das Leben töten wollten, das ewige Leben zu schenken, wenn sie die Erlösung annehmen.

Der Antwortpsalm formuliert das in einem wunderbaren Gebet und bildet wiederum die kostbare Brücke zum Heiligen Evangelium. Es ist das vertrauensvolle Rufen, das sich ganz auf Gottes Macht und Güte gründet. Er drückt die Hoffnung und Zuversicht aus, die in Verfolgung, in Ungerechtigkeit und Bedrängnis Raum findet und Freiheit in Gott, der gerecht und machtvoll herrscht und dem sich der Psalmist anvertraut.



Immer geht es im Evangelium wie bei uns heute darum, wie die Menschen Gottes Handeln und seine Offenbarung interpretieren.
Einige erkannten in Jesus "den Propheten", andere "den Messias". Aber sie gründeten dies weniger auf Jesus selbst, als auf ihre "selbstgeschraubten" Zusammenhänge, die das beweisen sollten. 
Da wurden dann sogar die heiligen Schriften zitiert, Prophetenworte eigenständig ausgelegt, alteingesessene Deutungsmuster einfach verabsolutiert und in voreingenommener Weise als Maß angelegt. Jesus ist eigentlich nicht der Grund der Spaltung - sondern die Leute sind schon gespalten, denn sie haben die ganze Wahrheit längst nicht mehr im Herzen, seit sie rein menschlich zu urteilen begonnen haben und nicht mehr nach Gott selbst fragten!

Ist das nicht ein Symptom auch unserer Zeit?
Wir beklagen, dass dies oder Jenes. Die Gläubigen spalten sich, es entsteht Streit, Vorwürfe, fruchtbare Vorhaben, ... und alles in allem zeugen diese "Spaltungen" nur von einer längst überfälligen "Scheidung der Geister".

Jesus und sein Wort werden zur Offenbarung der Herzen, denn auch heute "outen" sich die Gläubigen in erschütternder Weise, wenn ersichtlich wird, um was es ihnen bei ihren Streitereien geht! 
Man geht sich gegenseitig an die Gurgel, verurteilt sich gegenseitig, beschimpft einander, ... es gibt Streit, Beleidungen und Parteiungen, als hätten wir nicht den einen Gott.
Es gibt auch heute die "Nikodemus-Seelen", die versuchen, den Blick aus dem Chaos wieder in die rechte Ordnung zu lenken.
Nikodemus ist der Einzige, der auf Jesus hinweist, auf das Recht, darauf, dass man doch erst einmal ihn selbst "anhören" müsse, bevor man sich zu einem Urteil versteigt.
Nikodemus ist schon einmal bei Jesus gewesen. Er redet also nicht nur von Dingen, die er sich selbst zusammen gereimt hat, die er sich aus Theorien und Volksbefragungen, aus Meinungen der Klugen und Weisen dieser Welt zusammen gebastelt hat ... sondern Nikodemus hat Jesus schon einmal aufgesucht und scheint der Einzige zu sein, der eine persönliche Beziehung gesucht hat. 
Nikodemus ist uns hier ein wichtiges Vorbild, denn er will dem WORT und der WAHRHEIT Gehör verschaffen und sich nicht mit völlig unsinnigen "Meinungen" begnügen, die sich so wichtig nehmen, dass sie sich Gottes Platz anmaßen und sich gegenseitig entmachten wollen. 

Letztlich gehen sie dann alle nach Hause - und haben Jesus wohl gehört, aber keine Gemeinschaft mit ihm gefunden, keine persönliche Beziehung, ... 
Sie haben nicht ihn gefragt, sondern im Letzten nur sinnlose und böse "Selbstgespräche" geführt. 
Sie haben sich gegenseitig beleidigt, entwürdigt und so versucht, die Oberhand zu gewinnen. 
Sie haben sich gegenseitig beschuldigt und kritisiert, aber sie haben die Wahrheit nicht kennen gelernt, sondern gehen weg und die innere "Fäulnis der Sünde und Ignoranz" wird weiter gären, bis sie überschäumt, und das Volk in Raserei nach dem Kreuzestod Jesu schreien wird.
Das ist die Konsequenz, die auch uns trifft, wenn wir all unser Urteilen und Nachsinnen, unsere Erwägungen und unsere Bemühungen auf dem Fundament der Welt aufbauen. 

Heute wollen uns die Schriftworte ermutigen und ermahnen, dass wir den Rat Gottes suchen müssen und dürfen, wenn wir die Wahrheit erkennen wollen. "Der Herr ließ es mich wissen und so wusste ich es" ruft Jeremia. 
Nikodemus mahnt, erst einmal hinzuhören, bevor man es wagt zu urteilen, sollte überhaupt ein Urteil gefragt sein und nicht erst Ehrfurcht, die zur persönlichen Umkehr führt.

Die Weisheit des unschuldigen Lammes, die Weisheit des Kreuzes, die Weisheit einer Nikodemus-Seele - diese Weisheit sucht zuerst Rat bei Gott und allein sein Urteil. 

Woher kommen unsere "Spaltungen" in Kirche, Welt, Familie und in unserem eigenen Herzen? 
Sind sie nicht Folgen unserer Ignoranz und Selbstverherrlichung, die Gottes Herrschaft vergessen hat und nicht mehr nach ihm fragt?

Was ist unsere Weisheit?
Was werden wir wählen?
Werden wir gehen, ohne Gemeinschaft mit Jesus?
Oder werden wir dem Lamm folgen?


Gebet:

LAMM GOTTES, SOHN des VATERS!
Erbarme DICH unserer gespaltenen Herzen, 
unserer gespaltenen Gemeinden und aller Spaltung dieser Welt!
Sende den HEILIGEN GEIST aus, 
dass ER die Spaltung wandle 
in eine heilsame Scheidung der Geister, 
damit wir die Wahrheit erkennen und wählen können, 
zur Ehre des VATERS und zu unserem Heil. Amen!


© 16.03.2013 / 24.03.2012 Michaela Voss 
Die Gedanken und betrachtenden Texte dieser Seiten unterliegen dem Urheberrecht und verstehen sich als persönliche und private Impulse zum Nachdenken (unbeschadet der unbeschränkten Anerkennung aller kirchlichen Lehräußerungen).



Das Jahr des Glaubens - im Licht der Heiligen Schrift - in der Liturgie der Kirche.
Wo das Wort Gottes wohnt, ist der Glaube beheimatet!
Herzliche Einladung auf unsere Seite zum Jahr des Glaubens: