Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Donnerstag, 21. März 2013

5. Woche der Fastenzeit - Freitag

Wir sehen, was wir anschauen und was wir schauen wird uns prägen

5. Woche der Fastenzeit - Freitag
1. Lesung:       Jer 20, 10-13
Antwortpsalm: Ps 18 (17), 2-3.4-5.6-7b.7cdu. 20 (R: vgl. 7)
2. Lesung:       
Evangelium:    Joh 10, 31-42
Direkt zum      Schott-Messbuch

Die Lesungen konzentrieren sich nun immer mehr auf die Vorausbilder und Ankündigungen der Passionsereignisse.
Die Worte Jeremias zeugen heute von der tiefen Not des Propheten, von seiner Bedrängnis und vor allem von seinem Blick auf Gott, den er niemals verliert. 

Heute soll der Focus auf den letzten Satz gelenkt sein: "Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter."
Jeremia weiß sich von Gott geprüft und setzt sein ganzes Vertrauen allein auf Gott. Entgegen aller Wahrscheinlichkeiten, entgegen aller Gefahr spricht er davon, dem Herrn zu singen und Gott zu rühmen. Gottes Prüfung und Gericht will er standhalten können, nicht dem Urteil der Menschen. Vor Gott sucht er Rechtfertigung und nicht vor denen, die ihn verklagen. Jeremia ist vom "Grauen" umgeben und doch weiß er sich ganz und gar in Gottes Hand und voll vertrauen bleibt er dabei - er verpflichtet sich allein Gottes Wort, egal, was es ihm auch einbringen mag. Gott allein vertraut er sich an und findet über allem "Grauen ringsum" den Lobgesang auf Gott. 

Wie ist das bei uns?
Freilich dürfen wir auch unsere Not und Klage vor Gottes Angesicht tragen - aber wir bleiben oft nur dabei stehen und versäumen den letzten Schritt, den uns Jeremia aufzeigt: Das Lob Gottes, der Ruhm Gottes, das Vertrauen auf ihn und der tiefe, unerschütterliche Glaube, dass Gott helfen wird und dass wir das erleben dürfen, wenn wir alles dem Herrn anvertrauen.

So desolat und furchtbar die Situation des Propheten auch ist, so schrecklich verraten und verkauft er sich fühlt, so sehr die Gefahr greifbar nahe ist und Drohungen ihn umgeben ... er hält daran fest, dass Gott größer ist, dass Gott ihm Recht verschaffen wird, dass Gottes Weg ein guter Weg ist, dass Gottes heiligster Wille immer, immer, immer gut und heilig ist - egal, wie sich alles im Augenblick darstellen mag.
Das ist eine so mächtige Lehre für uns heute, dass man dabei verweilen sollte und es tief ins Herz fallen darf. 



Alles darf und kann ins Lob finden - nicht, weil wir uns gerade so wohl fühlen, sondern weil Gott würdig ist - immer allen Lobes würdig.
Nicht weil gerade alles so perfekt läuft, sondern weil Gott alles in der Hand hält und alles ihm dienen darf, um von ihm Rettung und Ewigkeitswert zu erfahren, weil Gott würdig ist, dass man ihn ernst nimmt - über den Augenblick hinaus auf ihn blickt ... darum lobt der Prophet den Herrn.
Jeremia kann uns lehren, was es bedeutet, aus der Tiefe der Not auf den Flügeln von Ehrfurcht und Dankbarkeit und im Wind des Lobgesangs aufzusteigen, wie der Adler der Sonne zufliegt, egal, welche Felsen und welche Wolken er unter sich vorfinden mag.

Wunderschön ist im Antwortpsalm ein Gebet geschenkt, das dies vertieft und ausspricht, was eine Herzenshaltung in uns werden will. 
In der Not dürfen wir zu Gott rufen - ihn preisen - weil der Glaube uns offenbart, was noch verborgen ist. In der Not und in den Fesseln des Todes dürfen wir zu Gott rufen, weil wir er uns hört und uns hinaus in die Weite seiner ewigen Herrlichkeit führt und uns befreit.



Im Heiligen Evangelium spitzen sich die Ereignisse weiter zu. Wieder entgeht Jesus nur knapp der Steinigung und der fragt seine Gegner, für welches gute Werk er denn sterben soll, welche Gnade Gottes denn den Tod verdient.
Wie blind wird doch der Mensch, der sich ein dunkles Ziel gesetzt hat! 
Wo wir Fehler suchen, wo wir Böses suchen, wo wir Schuld suchen ... da werden wir auch immer fündig, egal, wie entgegengesetzt die ganze Realität in Wirklichkeit sein mag.
Wenn man z.B. den Ehepartner verlassen will - dann wird man plötzlich unzählige Gründe dafür finden, die vorher niemals ins Gewicht gefallen sind, solange die Liebe das Ziel der Treue gesteckt hat und Fehler verzeihen konnte.

Wir zweifeln immer auf ein selbst gewähltes Ziel hin! 
Das bewusste oder oft auch unbewusste Ziel bestimmt, was wir sehen, was wir erkennen, was sich uns gleichsam aufdrängen wird, damit wir dieses Ziel erreichen.
Wenn in meinem Herzen das Ziel steht, dass ich ein treues, gottgeweihtes Leben führen will, dann werden alle Umstände dafür sprechen und sogar Versuchungen werden nicht davon abhalten - sondern im Gegenteil, die Berufung nur stärken und festigen. Möchte ich jedoch beispielsweise meine Untreue rechtfertigen und begründen, dann werden mir plötzlich unzählige Möglichkeiten dazu auffallen, die dies möglich und sinnvoll erscheinen lassen.
Die Menschen sagen, dass man z.B. für Gefühle nichts könne, dass man nichts für Liebe könne, die sich ändere, dass man nichts dafür könne, dass man plötzlich andere Interessen bekommt ...
Wahr ist jedoch, dass man immer etwas "dafür und dagegen" kann und dass man auch immer im Innersten eine Wahl hat, da wir keine willenlosen, triebgesteuerten Tiere sind, sondern die Würde besitzen, wahrhaft das Gute und Wahre wählen zu können.

Die Leute im Evangelium sind blind für das Werk Gottes, weil sie völlig eingenommen sind vom Werk ihres Urteils und ihrer blinden Wut, die einen Grund sucht, um sich zu entladen. 
Diese Blindheit verhindert jede Objektivität und in verblendetem Zwang wird nur nach Begründungen ausgeschaut, die dem entsprechen, was man längst entschieden hat. 

In welcher Demut und Geduld versucht Jesus diese Blindheit zu heilen.
In welcher Langmut versucht der Herr den Blick auf das Offensichtliche zu lenken, auf die Gnade, die doch sichtbar ist, die sich im Werk offenbart und die eine übernatürliche Autorisierung geradezu aufdrängt.

Sie aber wollen ihn festnehmen. Allein schon dieses Wort offenbart so viel. Fest-nehmen, fest-nageln, fest-halten, fest-stellen ... das ist hier der Versuch, das, was sie sich fest vorgenommen haben, zu binden und zu festigen, ... bis sie tun können, was sie tun wollen - bis sie das Ziel erreicht haben, das sie sich gesteckt haben, sei es bewusst oder unbewusst.

Jesus geht fort. Er entzieht sich ihnen, um ihnen immer neu eine Chance zu geben, damit sie "aufwachen", damit der Abstand doch noch eine Heilung eröffnen könnte ... und tatsächlich finden sich dort auf der anderen Seite des Jordan Menschen, die "sehen" können, was die erste Gruppe nicht erkennen konnte.
Der Glaube kann nur Wurzeln fassen, wo ein guter Wille ist.
Der Glaube ist eine Gabe und kein Zwang, weil der Glaube göttlicher Natur ist und sich darum dem Willen des Menschen beugt und niemals zwingt.
Der Glaube sucht einen bereiten Boden, um als Geschenk zu wachsen und zu reifen.
Der Glaube ist eine Gabe der Liebe und keine Vergewaltigung.
Wo das Herz bereits besetzt ist mit Zweifel und mit eigenen Zielen und Vorstellungen, da  wird der Glaube nur wenig Platz finden.
Darum ist der freiwillige Zweifel und das freiwillige Verweilen beim Starren auf das Böse eine Sünde, die der Gnade enge Grenzen steckt. Freiwilliges Verharren in Zweifel und im Focus auf das Böse verhindert in uns die Empfänglichkeit für die Gabe des Glaubens und den Blick auf Gottes Liebe.

Eine Welt, die tagtäglich in negativen Schlagzeilen "schwimmt" und immer und überall nur nach  dem Bösen ausschaut, um anzuklagen, um Vorwürfe zu machen, die von den eigenen Sünden ablenken, ... die nur immer über etwas jammern und klagen will, die immer und überall auf das Böse und die dunklen Seiten fixiert ist, ... wird immer mehr unfruchtbar und gleichsam "resistent" für die Gabe Gottes, die uns Zuversicht, Hoffnung, Vertrauen im Glauben schenken will.
Hätte Jeremia sich auf das Böse und die Gefahr eingelassen - wie hätte Gott ihm helfen und ihn retten können? Wie hätte Jeremia dann dem Volk durch Gottes Wort dienen können und wie viel Gnade wäre für ein ganzes Volk verloren gewesen, wenn er sich dem Ruf Gottes verweigert hätte, weil er im eigenen Selbstmitleids-Sumpf erstickt wäre?

Viele kamen zum Glauben an Jesus, weil sie Johannes glauben wollten!
Johannes hatte für Jesus Zeugnis abgelegt und weil sie Johannes glaubten, konnten sie auch Jesus glauben, denn sie suchten nach dem Beweis, dass sie Recht hatten, als sie Johannes vertrauten. So konnten sie sehen, was die anderen nicht sehen konnten, die beweisen wollten, dass Jesus ein Gotteslästerer ist.
Wie viele Menschen können und dürften durch uns zum Glauben kommen, wenn wir für sie wie ein Johannes wären, der glaubhaft von Jesus Zeugnis ablegt, so dass die Menschen allein schon deshalb Gott finden können, weil sie uns glauben konnten.
Wie viel Verantwortung haben wir doch, wenn wir bedenken, dass wir diesen Glauben ebenso gut zerstören können, wenn wir den Namen Christi als Christen so sehr durch unser eigenes Leben unglaubwürdig machen, dass die Leute um uns einen klaren Grund haben, warum sie nach Begründungen suchen wollen, die beweisen, dass das Unrecht, dass wir tun auch Gott unglaubwürdig machen muss?

Das ist das zweite Gebot! Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren - denn darin kann Leben und Tod von Vielen liegen!
Gottes heiliger Name sei in unserem Leben verherrlicht und wo wir diesem heiligen Namen durch unsere Sünden keine Ehre machen - müssen wir von Herzen umkehren und gerne Buße tun, damit der Herr selbst seinen heiligsten Namen wieder in uns verherrliche!
Wir dürften lebendige Gabe Gottes für die Welt sein - wo wir uns in Gottes Namen reinigen und heiligen lassen, denn dann wird in uns der Name Gottes verherrlicht durch Gottes Liebe und dann wird Gottes Liebe in uns zum Zeugnis und zum Licht für diese Welt.
Was für eine Berufung, was für eine hohe, wunderbare Berufung, in der wir als Lichter Gottes in dieser Welt leuchten dürfen, durch die Flamme des Heiligen Geistes, der in uns wohnen will.

Wo wir im Dunkel feststecken, wo wir uns mit dem Dunkel zu sehr beschäftigen, in Kritik, in Selbstmitleid und Egoismus, in der Sucht nach negativen Schlagzeilen, Gejammer und Klage, in Anklage und Lieblosigkeit, in Rechthaberei und ohne Erbarmen, ... da findet der Heilige Geist nur wenig Raum in uns.
In der Umkehr und im Sakrament der Versöhnung, im Bekenntnis und in der Buße ... werden wir erneuert und werden wir wieder zu echten "Christus-Trägern", zu Lichtern in der Welt - zu CHRISTEN im Wortsinn!


Gebet:

VATER unser im Himmel. 
Geheiligt werde DEIN Name!
Verherrliche DEINEN Heiligsten Namen in uns 
und schenke uns die Gabe des Glaubens, 
damit wir durch das Feuer DEINER Liebe
zum Licht in der Welt werden, 
das DEINE Herrlichkeit sichtbar werden lässt
zu DEINER Ehre 
zu unserem Heil 

und zum Heil der Welt.

Amen.



© 14.02.2013 / 30.03.2012 Michaela Voss 
Die Gedanken und betrachtenden Texte dieser Seiten unterliegen dem Urheberrecht und verstehen sich als persönliche und private Impulse zum Nachdenken (unbeschadet der unbeschränkten Anerkennung aller kirchlichen Lehräußerungen).



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