Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Montag, 8. April 2013

25. März - Verkündigung des Herrn (wird dieses Jahr wegen Osterzeit am 08.04. gefeiert)

Und das Wort ist Fleisch geworden 

25. März - Verkündigung des Herrn

1. Lesung:       Jes 7, 10-14
Antwortpsalm: Ps 40 (39), 7-8.9-10.11 (R: vgl. 8a.9a)
2. Lesung:       Hebr 10, 4-10
Evangelium:    Lk 1, 26-38
Direkt zum      Schott-Messbuch

In der ersten Lesung wird der "Immanuel - Gott mit uns" angekündigt. 
Gottes Zeichen, das König Ahas mit einer fromm klingenden Begründung nicht haben will, ist etwas so Großes, dass es unendlich über den Augenblick hinaus reicht, in dem ein König und ein Prophet stehen. Gott spricht zum König von Juda durch den Propheten Jesaja - aber es geht hier nicht um den König, sondern darum, dass dem König ein Auftrag Gottes erteilt wird, der nicht erfüllt wird.
Der König tut so, als wäre es fromm und demütig, Gott um nichts zu bitten. In Wirklichkeit offenbart sich hier jedoch eine seltsame Form von Ungehorsam und furchtbarem Stolz, der sich doch tatsächlich anmaßt, nichts von Gott zu brauchen, nichts nötig zu haben, kein Zeichen erbitten zu müssen, obwohl er von Gott selbst dazu aufgefordert wird.
Was für eine Haltung, die Gott widersteht und nicht bittet - sondern sich auch noch anmaßt, selbst entscheiden zu können, was die Bitte Gottes, der Auftrag Gottes wert ist. 
Ahas will nicht bitten! Das ist furchtbar, denn er nimmt sich selbst so unglaublich wichtig, dass er vergisst, dass er vor Gott steht als König, der in seiner Brückenfunktion zwischen Gott und dem Volk weit mehr tun muss, als nur sich selbst zu erklären.
Ahas will nicht bitten! Das ist furchtbar, denn er weigert sich damit in seinem Königtum einen Akt zu setzen, den Gott von ihm verlangt, um dem ganzen Volk etwas zu schenken. 
Ahas behauptet, dass es in seiner Macht stünde, Gott auf die Probe zu stellen (was er aber nicht will) und er vergisst dabei völlig, dass Gott es ist, der die Demut von ihm fordert, zu bitten!

Kennen wir das nicht auch?
Mit frommen Sprüchen können wir begründen, warum wir Gottes Gebot nicht folgen und seinem Auftrag nicht nachkommen! 
Mord ist falsch - aber wenn man da "Nächstenliebe" üben kann und ein behindertes Kind und seine Eltern vor so unglaublich viel "hypothetischem Schmerz und Leid" bewahren kann, ... dann ist Morden doch ein Akt der Nächstenliebe. 
Gott ruft uns zu den Sakramenten, ... und wir sind plötzlich völlig familiär geworden und uns fällt plötzliche ein, dass wir leider nicht in den Gottesdienst gehen können, weil wir Gottes Gebot befolgen wollen und für Kinder einen Familientag machen müssen. Schließlich soll man sich doch um die Familie kümmern, oder?
Wir wissen, dass es nötig ist, die Schuld vor Gott zu bekennen, wir wissen um Gottes Vollmacht, die er dem Priestertum anvertraut hat, ... aber plötzlich fällt uns ein, dass wir doch uns doch auf die Barmherzigkeit verlassen können und dass es bestimmt auch Ausnahmen geben wird, die eine persönliche Umkehr auf den "Sankt-Nimmerleins-Tag" verlegt, denn Gott ist doch so gütig, da wird er es schon nicht so genau nehmen, wie ein Finanzbeamter...?
Dies lässt sich unendlich fortsetzen, denn wir sind nie verlegen, wenn wir eine fromme Ausrede brauchen, nur um nicht in aller Demut und im Gehorsam zu tun, was Gott uns aufträgt zu tun.
 Am schlimmsten ist das, wenn es dabei gar nicht um uns allein geht, sondern wie bei Ahas um weit mehr, weil seine Berufung diesen Auftrag erhält - nicht nur er als einzelne Person.
Da wir alle Glieder am einen Leib Christi sind - gilt dies auch immer für uns! Niemals bekommen wir einen Auftrag Gottes nur für uns alleine, sondern wir sind immer verantwortlich für weit mehr - in unserer Berufung!

Jesaja verkündet Gottes Wort, obwohl der König nicht tut, was er tun sollte. Ahas hätte teilhaben können am großen Zeichen, das von ihm hätte erbeten werden dürfen. Gott wird  jedoch nicht gebeten, sondern der Herr verkündet nun in geheimnisvollem Wort, dass er selbst im Sohn Mensch werden wird, ... damit "DER Mensch" endlich dem Wort Gottes die vollgültige, heilige, makellose, reine und absolut gehorsame Antwort werde - in Jesus Christus!
Hier leuchtet in verborgener Gewalt und Macht das Geheimnis von Wort und Antwort auf! 
Kein König gibt Antwort - Gott selbst wird sich Antwort im Gottmenschen, weil der Mensch sonst niemals jene würdige Antwort findet, die Gott gebührt!

Im Antwortpsalm leuchtet die heiligste Antwort in aller Klarheit auf, wenn Christus selbst spricht und wir wiederholen dürfen, was in Gottes Sohn lebendig ist: "Mein Gott, ich komme; deinen Willen zu tun macht mir Freude. ..." 


In der zweiten Lesung ist es in aller Klarheit offenbar, was die erste Lesung eröffnete. Jesus Christus ist die höchste Antwort, die absolute Antwort auf das Wort Gottes, den Ruf Gottes. Nicht irgend ein Opfer, nicht irgend etwas, ... sondern "Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun"
Das ist das Fest, das wir heute in besonderen Weise feiern dürfen! 
In Jesus ist die Menschheit aus den "Ersatzopfern" herausgehoben in das letztgültige, einzigartige und ewige Opfer, das als ewige und vollkommene Antwort Gottes Ruf und Wort entspricht.
Darin besteht unsere Heiligung! Jesus ist die Antwort, die der Mensch immer schuldig bleibt und in Jesus finden wir die volle Gemeinschaft und Heimholung ans Herz Gottes. 
Er ist das WORT - das im Fleisch des Menschen - zur Antwort des Menschen wird und so die Menschheit teilhaftig werden lässt, am ewigen Geheimnis von Wort und Antwort, das im dreifaltigen Gott ein innerstes Mysterium ist. Gott spricht zu Gott und das Wort Gottes lebendig, schärfer als jedes zweischneidige Schwert, ... ist Licht, Wahrheit, ist ewiges Leben!


Im Heiligen Evangelium hören wir heute von der Verkündigung.
Uns ist kaum klar, welches Wunder wir heute betrachten dürfen, was wir heute feiern dürfen, was uns in dieser Offenbarung Gottes geschenkt ist!
Nur ein paar Gedanken dazu - denn die Tiefe des heutigen Evangeliums sprengt jeden Rahmen, um wenigstens ansatzweise angemessen davon zu sprechen!
Einem heiligen Engel wird im Wort anvertraut, was die gesamte Schöpfungsgeschichte verändern und heimholen will! 
Es gehört zu den gewaltigen Geschenken der Liebe Gottes, dass er immer das Geschöpf teilhaben lassen will, an dem, was er wirkt! Er hätte keinen Engel gebraucht, keine Frau, ... aber in diesem einen Engel ist der ganze Himmel begnadet, weil Gott ein Geschöpf würdigt, im Wort des Himmelsboten das ewige WORT zu geleiten und anzukünden!
In Maria ist bereits die ganze Menschheit begnadet, weil Gott ein Geschöpf würdigt, im eigenen Fleisch das Fleisch des WORTES zu empfangen und zu tragen ... und sich einem Menschenkind anvertraut, der doch alle Welten schuf!
Über die Antwort Mariens können wir kaum genug nachsinnen, denn in ihr verbirgt sich die ganze Schönheit und der Reichtum der menschlichen Begnadung, in der Gottes Ruf ein Echo findet und zur Antwort wird, die Gottes WORT herabsteigen lässt, damit die Antwort Gottes im Menschen immer mehr Gestalt gewinnen und den Menschen umformen darf in seine ursprüngliche Ebenbildlichkeit, die ein lebendiges Echo der Liebe und unsagbaren Schönheit und Heiligkeit Gottes sein darf.
Das heilige "ECCE" (Siehe ich bin ...) und das heilige "FIAT" (Mir geschehe ...) allein sind schon Worte des heutigen Evangeliums, die kaum auszuloten sind - wenn man nur betrachten will, woher sie kommen, wohin sie aufsteigen, wen sie herabsteigen sehen, wie sie alles umfangen und gleichzeitig vom Alles umfangen werden, welches Spiegelbild Gottes sie tragen dürfen, welches heiligste Antlitz sie bilden, wie einfach sie sind und doch gewaltig, wie demütig und wie wahrhaft königlich, wie gehorsam und doch mit welcher Vollmacht wirksam, ... 

Ein weiterer Gedanke heute ist, dass diese Offenbarung Gottes im Heiligen Engel, die alle Offenbarungen der Vergangenheit übersteigen, ... ein "Nebendetail" enthält, das wir vielleicht viel zu wenig beachten, da es einfach gewohnt ist.
Ist es nicht unglaublich, dass in das große, alles verändernde Wort Gottes eine "Information" eingeflochten ist, die so gar nicht in dieses unfassbare Strahlen zu passen scheint, weil es doch eigentlich nicht im Geringsten an jene Bedeutung der Verkündigung im engen Sinne heran kommen kann: Inmitten des heiligsten Geheimnisses der Menschwerdung Gottes sagt der heilige Engel zu Maria, dass Elisabeth schwanger ist!
Ist das zu fassen? Schwanger - eine andere, alte Frau - und so eine Aussage in diesem kostbarsten, heiligsten Augenblick, da Gott Mensch werden will???
Was für ein seltsamer Beweis, was für eine eigentümliche Verkündigung? 
Wäre das nicht höchstens noch ein harmloser Nachsatz wert, der eben den heiligsten Augenblick der Herabkunft Gottes ins Fleisch noch so eine Art Randbemerkung hinzufügt? Aber nein - noch vor dem alles bekenndenen Satz des heiligen Engels "Denn für Gott ist nichts unmöglich" und vor der seit Zeiten erwarteten Antwort der reinsten Jungfrau ... ein solcher Einschub?
Das ist fast wie ein Bruch im Geschehen - und wie groß und bedeutungsvoll muss vor Gottes heiligstem Angesicht jener Ungeborene sein, von dem hier die Rede ist - noch bevor Gott selbst den Weg des Fleisches im Leib Mariens geht?

Ohne hier den Rahmen der Betrachtung völlig zu sprengen - sei doch die Frage in Ehrfurcht gestellt und jedem zur Betrachtung überlassen:
Wie groß und heilig, wie wichtig und überaus bedeutungsvoll ist in diesem Evangelium ein ungeborenes Baby und seine Mutter - inmitten der heiligsten Worte, die ankündigen, dass Gott selbst den Weg eines Ungeborenen, eines Babys, eines Kindes gehen will, um so die Menschheit heim zu holen und sie zu erlösen?

In der übernatürlichen Empfängnis setzt Gott den ersten Schritt der Erlösung!
Jeder Schritt der Erlösung hat ihr sündhaftes Gegenüber, das diese Erlösung nötig hat. 
Wenn wir heute betrachten, wie Gott Fleisch annimmt und welchen Weg er wählt - wie gewaltig müsste es uns heute durch Mark und Bein gehen!
In der übernatürlichen Zeugung des Gottessohnes möge alle widernatürliche Zeugung vor allem unserer Zeit jene Erlösung und Vergebung finden, die vielleicht erst heute in ihrer ganzen Dimension erkannt wird! Unsere Zeit vergreift sich wie keine Zeit zuvor am Baum des Lebens - und doch hat der Erlöser bereits bei seinem Eintritt in diese Welt ein klares, gewaltiges, unfassbares "Zeichen" gesetzt, dass auch dieser Frevel und diese furchtbare Schuld bereits im Anfang ihren Erlöser gefunden hat!

Flehen wir doch besonders für all die, die sich am Lebens vergreifen, für die Wissenschaft, die in widernatürlicher Weise die Schöpfungsordnung vergewaltigt, sich selbst und der Willkür menschlichen Wünschens und Wollens unterwerfen will und sich an unzähligen Menschenkindern in ihrer frühesten Existenz schuldig machen. 
Ich werde nicht müde, immer neu zu sagen, dass wir einen Sturm des Gebetes um Erbarmen brauchen, der die volle Erlösungsgnade über all die Kleinsten herabfleht, die in "Finsternis und Todeschatten" warten.
Heute ist Gott Fleisch geworden - und beginnt den Weg der Erlösung als Embryo!

Jesus Christus ist Mensch geworden - ist den Weg des Menschen von Anbeginn gegangen und hat in seiner heiligsten Zeugung durch den Geist Gottes diese Welt als Embryo begonnen.
Was will uns das in die heutige Zeit hinein sagen!
Hier ist ein Kriterium angesetzt, das alle anderen Kriterien übertrifft! Flehen wir doch, dass jener erste Schritt der Inkarnation Gottes besonders heute seine volle Strahlkraft und Erlösungsgnade entfalten möge, damit die Welt erkennt, umkehrt, Buße tut und glaubt ...!

Ein Gedanke noch kurz angedacht: Was heute der Heilige Engel berufen ist zu tun und zu sein, ist auch in tiefer Weise ein Bild des priesterlichen Dienstes!
Der Priester ist berufen, das Wort Gottes zu tragen, zu sprechen, es wirksam werden zu lassen, zu verkünden, ... 
Der Priester ist berufen, das Wort Fleisch werden zu lassen - in seinen eigenen Händen, im Schoß der Kirche, ...
Der Priester ist berufen, Anteil in innigster Form zu haben am Heilswirken Gottes und darf dem Engel ähnlich zum Boten, zum Überbringer, zum Diener der Gnade - ja Gottes selbst werden!
Im Besonderen ist dies in den heiligen Sakramenten deutlich, aber auch in jedem Wirken im Alltag der Seelsorge, denn er ist nicht mehr Privatperson - sondern erwählter Bote und berufen zu einem Leben, das den Engeln gleicht ...!



Gebet:

"Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft
und sie empfing von Heiligen Geist.
Ave Maria ..."



© 09.02.2013 / 25.03.2012 Michaela Voss 
Die Gedanken und betrachtenden Texte dieser Seiten unterliegen dem Urheberrecht und verstehen sich als persönliche und private Impulse zum Nachdenken (unbeschadet der unbeschränkten Anerkennung aller kirchlichen Lehräußerungen).



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