Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Sonntag, 21. April 2013

4. Wo. Osterzeit - Montag

Gute Hirten oder Elektro-Zäune 

Bild Public domain

4. Woche der Osterzeit - Montag

1. Lesung:       Apg 11, 1-18
Antwortpsalm: Ps 42 (41); 2-3; Ps 43 (42), 3.4 (R: Ps 42 (41), 3a)
2. Lesung:       
Evangelium:    Joh 10, 1-10
Direkt zum      Schott-Messbuch

Wenn wir in der Lesung heute von Petrus hören, der Zeugnis von Gottes Erbarmen gibt, dann könnte uns klar werden, dass die Urgemeinde durchaus immer neu lernen durfte, dass Gottes Wege größer sind, als menschliche Interpretationen seiner Wege. Petrus musste die gewohnten Strukturen durchbrechen. Das Gesetz Gottes will sich in neuer Fülle offenbaren. 
Was hier jedoch sehr wichtig ist - nicht weil es seine eigene Idee war, weil er das jetzt einfach mal "machen" wollte, ... sondern weil Gott ihm diesen Weg aufgezeigt und ihn dazu aufgefordert hat. 
Eine unmittelbare Gotteserfahrung in Visionen scheint damals durchaus fast "normal" gewesen zu sein, denn mit einer eigentümlichen Selbstverständlichkeit wird hier davon gesprochen. Gott fordert Petrus auf, etwas zu tun, was ihm völlig gegen das Verständnis geht, weil es verlangt, was bisher nicht erlaubt war. Gott selbst erklärt und offenbart im Bild und Gleichnis seine Liebe über das erwählte Volk hinaus.
Dabei sind mehrere Aspekte interessant. Ein Engel Gottes hat den Hauptmann Cornelius beauftragt, Petrus zu sich zu rufen, um von ihm die Botschaft des Heiles zu empfangen. Damit ist Petrus in seiner Vorrangstellung und seiner Berufung als Apostel deutlich dargestellt. Er selbst wird durch Gott auf diese Aufgabe vorbereitet, indem Gott ihm die Prioritäten und die tiefere Wahrheit in der Vision und im Wort des Geistes offenbart.
Damit ist klar, dass hier die übernatürlichen Ereignisse und das Eingreifen Gottes in klarem Zusammenhang zur Berufung und zum Auftrag Gottes stehen, die dem Apostel eine besondere Position geben. Er wird ausgerüstet, um die neue Situation beurteilen zu können, um Gottes Willen zu tun, um Gottes Wort vollmächtig und ohne Furcht überall zu verkünden. Es entspricht nicht den Erwartungen des normalen Denkens - es entspricht der Weisheit Gottes. Die Autorität des Petrusamtes beinhaltet auch die Vollmacht in Gottes Plan neue Gesetze zu erkennen und sie umzusetzen.

Nun berufen sich heute viele "Visionäre" darauf, dass sie auch die Traditionen nur deshalb durchbrechen möchten, weil sie sich von Gott berufen fühlen, ... aber diese Lesung beschränkt sich nicht auf die Vision, sondern hier ist ein Kriterium zu finden, das man auch heute anlegen darf und muss, wenn es um "Erneuerung und Veränderung" im "Auftrag Gottes" geht, um den Heiligen Geist vom "eigenen Vogel" zu unterscheiden.

1. Der heilige Engel, der zum Hauptmann gesendet ist, verkündet ihm nicht das Evangelium, sondern verweist ihn auf Petrus! Das ist immens wichtig, denn hier offenbart sich die heilige Ordnung, die von Gott selbst geschaffen ist. 
Die Verkündigung und die Sakramente hat der Herr in besonderer Weise seinen Aposteln anvertraut und darum sendet er die, die er zum Heil beruft auch immer in die Obhut und unter die Lehre der Apostel! 
Der Engel hätte ja genauso gut dem Hauptmann alles erklären können, hätte sein "spiritueller Meister" werden können, wie das heute von so vielen "Visionären" bekundet wird, die behaupten, dass sie direkt von Gott geführt werden und sich darum nicht um die Lehre der Kirche oder die Ordnung und Unterordnung ins Lehramt und Apostelamt einfügen wollen!
Der Engel Gottes fordert den Hauptmann auf, sich an Petrus zu wenden! Damit bezeugt ein Himmelsbote in Gottes Namen die Schlüsselgewalt und die heilige Berufung des Apostels und damit des priesterlichen Dienstes!
2. Petrus wird von Gott selbst auf den erweiterten Dienst vorbereitet, zu dem er berufen ist. Er wird durch die Vision vom Herrn unterwiesen und sein rein menschliches Verständnis wird erfüllt von der Weite der Weisheit Gottes. Dies geht ihm zuerst gar nicht ein und in der dreimaligen Wiederholung zeigt die hl. Schrift uns, dass Gott seinen Apostel vollkommen unterweist, so dass dieser auch befähigt zu seinem Dienst ist.
3. Unreinheit oder Reinheit wird von Petrus zuerst nur in menschlicher und gewohnter Weise begriffen. Er sagt, dass in seinem Mund noch niemals Unreines gekommen sei. Dass er hier die rein rituellen Formen sieht und beispielsweise nicht an die Worte denkt, die den Mund heiligen oder verunreinigen, das bezeugt umso mehr die Gnade, die ihm dann geschenkt sein wird, denn genau um seinen Mund geht es heute. 
Schlachten und essen ist immer auch ein Teil der Opferhandlungen - und genau die Opferhandlung sieht Petrus in seiner Angst vor Götzenspeise, die verboten ist. Durch das eine Opfer Christi ist jedoch jedes andere Opfer überhöht und nun gilt das Gesetz des Neuen Bundes, das den Alten Bund hinüber tragen will, aus dem Gesetz der Welt in das Gesetz der Ewigkeit. Alles orientiert sich an Christus - nicht mehr nur an rein gewohnten, menschlichen Gesetzesinterpretationen. 
4. Dann wird das gefüllte Tuch wieder in den Himmel hinaufgezogen. Das ist das letzte Kriterium dieser Vision. Vom Himmel kommt sie und zieht zum Himmel. Vielleicht mag das für Petrus ein weiterer Beweis gewesen sein, denn wie könnte Unreines in den Himmel getragen werden?
Was von Gott kommt, kehrt auch wieder zu Gott hin und zu Gott zurück!
Die "Visionäre" unserer Zeit müssen sich daran messen lassen, ob das, was sie in Gottes Namen behaupten und wollen, ob das wahrhaftig von Gott kommt, denn dann führt es auch zu Gott hin und das in der heiligen Ordnung der Erlösung im Blick auf das Opfer Christi.
Wo das Maß nur die Attraktivität, das Neue ist, die Neugierde, die Zukunft zu kennen, etwas Besonderes zu sein oder die Anpassung an Zeitgeist und Menschenbedürfnisse ist, da wird das "Tuch in den Visionen" den Blick immer mehr verschleiern. Der Blickwinkel wird eng, verdunkelt, bedeckt und wo die heilige Ordnung, die Erlösung und das Geheimnis des Kreuzes nicht mehr sichtbar sind, da wird es auch nicht die Auferstehung und Himmelfahrt geben, die hier angedeutet ist!
5. Der Geist Gottes befiehlt und weist den Weg - jedoch ohne äußere Sicherheiten, als allein das Wort des Herrn. Es wird für Petrus ein Weg der Selbstverleugnung, denn er geht in Gottes Namen und weiß noch kaum, was ihn erwartet. Das einzige, was er weiß - ist - dass Gott ihn sendet. Das genügt ihm.
Die "Geister" der Täuschung wollen in falschen Sicherheiten wiegen, wollen Prognosen sichern, kommen all den menschlichen Neigungen entgegen, die sich der "Autonomie der Sünde" mehr zuneigen, als der bedingungslosen Hingabe und Überantwortung an den Willen und Auftrag Gottes und im Vertrauen auf ihn. 
6. Petrus verkündet Gottes Wort und die Ausgießung des Heiligen Geistes beglaubigt die vollmächtige Verkündigung. Während Petrus verkündet, kommt Gottes Geist herab. Die Ausgießung des Geistes steht in direktem Zusammenhang mit dem Wort der Verkündigung in der Vollmacht und im Auftrag Gottes. Der Gehorsam und das selbstlose Opfer des Apostels im Gehorsam wird in der Erlösungskraft Jesu fruchtbar und so wird das Heil auch denen geschenkt, die bisher ohne das Licht des Wortes Gottes lebten.
Gott selbst bereitet den Weg, den Empfänger und den Verkünder und Vermittler! 
Keine Manipulation, kein Menschenwerk, das "Werbung" macht, das überzeugen will, ... sondern Gottes Handeln und sein Wille sind das Fundament.
7. Die Erkenntnis breitet sich unter den anderen Aposteln und Jüngern aus, als Petrus erklärt, was Gott getan hat.
Wenn die Kirche in Gottes Plan handelt und verkündet, beglaubigt der Herr sie durch seinen Heiligen Geist und die Einheit, die vom Herrn gestiftet wird, wenn die Gabe Gottes gepriesen und weiter gegeben wird. 
So wächst der Glaube, so wirkt Gottes Gabe.

Wie groß ist der Unterschied zu manchen selbsternannten "Kirchenverbesserern" und "Propheten" unserer Zeit, die behaupten, dass sie von Gott gesendet seien und in Gottes Namen handeln würde - und nur sich selbst, ihre Meinungen oder gar den Zeitgeist meinen.

Der Anwortpsalm preist die Sehnsucht nach Gott, verweist auf sein heiligstes Angesicht, denn allein aus IHM und auf IHN hin fließt die Gnade des Lebens.


Foto (m. freundl. Genehm.) Manuela Gruß

Im Evangelium hören wir ein kostbares Hirtengleichnis.
Jesus spricht heute von der "Hintertür", durch die nur die Diebe und Räuber einsteigen.
Wie viele Hintertüren suchen wir im Leben? Wollen wir Gottes Werk als Diebe und Räuber stehlen und verwunden, oder wollen wir uns an den Hirten halten? 
Wir suchen so gerne nach "Ausnahmen", nach all den vielen Möglichkeiten, wie man doch noch den eigenen Willen durchsetzen kann und bekommt, was einem nicht gehört. Doch das ist nicht gesegnet. Lieber den geraden Weg gehen, dem Hirten folgen und nicht von den Dieben und Räubern lernen und so Gefahr laufen, selbst zum Dieb und Räuber an Gottes Eigentum zu werden.
Wie liebevoll ist das Wort des Herrn, wenn er davon spricht, dass die Schafe auch seine Stimme hören, dass er jedes einzelne beim Namen kennt und ruft, dass er sie hinaus führt, dass er ihnen voraus geht und sie ihm vertrauensvoll folgen, weil sie seine Stimme kennen.

Heute haben wir auch im geistlichen, kirchlichen und weltlichen Leben oft eher eine "Elektro-Weidezaun-Politik" statt der Freiheit, die mit dem Hirten gemeinsam hinaus zieht. 
Alles soll "sicher" und "praktisch" sein, es soll möglichst wenig Arbeit machen, wenig "Personalkosten" verursachen und "effizient" sein. 
Die Grenzen, die diese Schafe im Evangelium haben, ist die Stimme des Hirten. Überall dürfen sie sein, solange sie ihn hören und ihm folgen können. Die Stimme des Hirten hören - das ist ihr "unsichtbarer Zaun" und mit ihm zusammen gibt es kaum einen Ort, an den sie nicht voll Vertrauen und Sicherheit gehen könnten - sei das Gelände auch noch so unwegsam und vielleicht gefährlich.
Wir dagegen sichern uns schon vorher ab. Der "Elektro-Zaun unseres Lebens" ist eng gesteckt - sicherheitshalber.
Sicherheitshalber kein Gebiet, wo wir uns nicht auskennen - denn wir vertrauen lieber auf den Stromschlag, als auf den Hirten.
Sicherheitshalber keine Gefahr von Hunger oder Durst und weiten Wegen - denn wir vertrauen lieber auf den Stromschlag, als auf den Hirten. Der Stromschlag hält uns in dem Bereich, in dem wir fett und kugelrund werden können, weil wir alles haben, was wir so brauchen und auch wenn das Futter verseucht wäre (wie nicht nur in der Mastwirtschaft der Tierzucht) - Hauptsache es ist immer schön sicher, genug und keiner muss sich unnötig bewegen.
Sicherheitshalber bleiben wir unter uns und sitzen lieber im Schmutz und zertrampeln das wenige Grün um uns - denn wir vertrauen lieber auf den Stromschlag, als auf den Hirten. Warum sollte man sich Mühe machen, wenn es so viel einfacher und effizienter ist? Vielleicht weiß der Hirte ja auch nicht, wo es hingeht, da bleiben wir doch lieber gleich sitzen, wo wir sind. 

Wir sind manchmal wirklich "dumme Schafe" und meinen dass Elektrozäune soooo praktisch sind. 
Man weiß, wo man nicht mit der Nase hinsollte, dann bekommt man auch keine "gewischt"!
Aber Hirten - nein Hirten - das ist veraltet und außerdem so mühsam!
Hirten sind anstrengend! 
Hirten wollen immer weiter ziehen und lassen einen niemals einfach in Ruhe dösen!
Hirten rufen, Hirten kommen und stören, wenn man doch gerade etwas anderes besser finden würde und dann muss man aufstehen und losgehen!
Hirten habe immer diese lästigen Hunde dabei, die einem immer auf den Pelz rücken und einen auf Trab halten. 
Hirten sind so lästig, denn sie meinen immer, dass sie das bessere Futter kennen - obwohl doch auch die giftigen Pflanzen so lecker aussehen - aber nein - das verbieten sie alles und kommen gleich mit ihrem Stab und ihren Hunden!
Hirten sind unverschämt in ihrer Bevormundung und ihren Regeln! 
Hirten sind einfach nervig, denn immer meinen sie, dass sie bestimmen dürfen, wohin man gehen soll! ...
Wollen wir lieber Hirten oder Elektrozäune! 
Was für eine Wahl! 

"Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte."
Wie wahr! Auch wir verstehen kaum, was es bedeutet, dass der Herr uns Hirten geschenkt hat, dass er uns seinen Hirten anvertrauen will, damit wir nicht ein völlig trauriges Leben hinter "Elektrozäunen" und in dunklen Ställen führen müssen.
Jesus geht noch weiter, wenn er sagt, dass er selbst die Türe ist.
Er ist die Freiheit, die heilige Pforte, der Weg, ... Jesus will uns Hirte sein und Tor in die Freiheit.
"ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben." 
Wie gerne würden wir das auch haben wollen - das Leben in Fülle! 
Aber wie bekommen wir das, wie kommen wir dorthin?
Wie können wir die kostbare Gabe erkennen und darin leben? 

Der Herr zeigte es auf, als er davon sprach, dass die Schafe seine Stimme kennen und auf ihn hören! 
Das ist es - das ist die Türe, die Freiheit, die Freude, das weite Land im Schutz des Höchsten: Gottes Wort kennen und hören!

Gebet:
HEILIGER HIRTE - JESUS CHRISTUS!
Segne die Hirten, 
die DU in dieser Welt 
für DEINE Herde berufen hast, 
dass sie DIR zuerst folgen, 
dass sie von DIR lernen, ...
um DEIN Volk zu leiten.

Schenke uns ein Herz, 
das Freude hat an DEINEM Wort, 
das DEINE Stimme kennt 
und auf DICH hört!
Schenke uns ein Herz, 
das gehorsam sich senden lässt 
und gerne DEINEN Willen tut.
Schenke uns ein Herz, 
das DICH erkennt 
und den Auftrag der Stunde.
Schenke uns ein Herz, 
das immer bereit ist, 
zu gehen wohin DU gehst 
und zu verkünden, 
was wir von DIR gehört haben.

Lass uns in DEINEM geöffneten Herzen geborgen sein, 
denn DEIN geöffnetes Herz 
ist das Tor zum Vaterhaus.
Verherrliche in uns den VATER 
durch die Gabe des HEILIGEN GEISTES. 
Amen.


© 22.04.2013 / 30.04.2012 Michaela Voss 
Die Gedanken und betrachtenden Texte dieser Seiten unterliegen dem Urheberrecht und verstehen sich als persönliche und private Impulse zum Nachdenken (unbeschadet der unbeschränkten Anerkennung aller kirchlichen Lehräußerungen).



Das Jahr des Glaubens - im Licht der Heiligen Schrift - in der Liturgie der Kirche.
Wo das Wort Gottes wohnt, ist der Glaube beheimatet!
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