Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Donnerstag, 16. Mai 2013

7. Wo. Osterzeit - Donnerstag

Einheit in Gottes Namen 

7. Woche der Osterzeit - Donnerstag

1. Lesung:       Apg 22, 30; 23, 6-11
Antwortpsalm: Ps 16 (15), 2 u. 5.7-8.9-11a (R: vgl. 1)
2. Lesung:       
Evangelium:    Joh 17, 20-26
Direkt zum      Schott-Messbuch

Die heutige Lesung ist hoch interessant, denn Paulus erweist sich als kluger Angeklagter. Wenn man bedenkt, dass er hier eigentlich vor Gericht steht und dass man ihm nach dem Leben trachtet, erstaunt doch, wie er agiert. 
Seine Verteidigung besteht weniger in einer direkten Verfechtung seiner persönlichen Rechte, als vielmehr in immer neuer Verkündigung und Nutzung jeder Gelegenheit, von der Auferstehung Christi Zeugnis abzulegen. 
Die Ankläger scheinen sich einig zu sein, solange sie ein gemeinsames Feindbild haben. In der Anklage Anderer finden sogar völlig zerstrittene Parteien zu einer "trauten Einigkeit", die jedoch nur solange aufrechterhalten werden kann, als es um Dinge geht, die nichts mit der eigenen Wirklichkeit zu tun haben. 
Das ist das blinde Prinzip vom steuerbaren Mob, der nur ein gemeinsames Feindbild braucht, um völlig haltlos loszustürzen und unkontrollierbar zerstörerisch in der Macht dieses zweifelhaften Bündnisses agiert. Schreckliche Beispiele sind hierfür etwa die Politik des 3. Reiches, die unterschiedlichste Fraktionen der Bevölkerung zu einer unfassbaren, blinden Grausamkeit vereinte. Auch das Mobbing in Schule und Beruf kennt solche Dynamiken, die unterschiedlichste Gruppen im Hass vereinen. 
Diese Eigendynamik lebt ganze aus dem Vorbild der Hölle - in Haß und Zerstörungswut, in Egoismus und Selbstverherrlichung, in ewigem Neid und grausamer Verkrümmung in sich selbst ... und die einzige Einigkeit besteht darin, dass man z.B. Gott und den heiligen Dienst in der Hingabe des ewigen "DU" mit tödlicher Gemeinsamkeit bekämpft.

Solange man nicht selbst in Frage steht, sondern andere in Frage stellen kann, besteht schnell eine dunkle, zerbrechliche Einigkeit in dieser Welt. Ob in Politik, Familie oder Kirche, ... überall ist dieses Phänomen zu beobachten. Solange man "gegen" Etwas oder Jemanden vorgehen kann, finden sich sogar dort Gemeinsamkeiten, wo sonst die vorhandenen Gegensätze kaum größer und trennender sein könnten. Sobald jedoch dann das "gemeinsame Feindbild" stürzt und der Blick in die eigenen Reihen geht, ist genau das Szenario vorprogrammiert, das wir heute in der Lesung sehen: Streit, Geschrei und wahre "Zerreißproben". 
Solange man z.B. gegen den Papst sein kann, fällt kaum auf, wie gespalten und zerstritten die "Individualisten" sind. 
Solange man "GEGEN" ... sein kann, ist kaum von Bedeutung, dass man selbst unlauter, hinterfragbar und gespalten ist. 

Ist die Spaltung, die Verurteilung ... dann endlich vollzogen, wartet schon die nächste Gelegenheit, denn dann findet sich wieder etwas, wogegen man sein kann, nur um sich nicht wahrhaft selbst zu bekehren und auch nicht den Schmerz des Kreuzesgeheimnisses aushalten zu müssen, in dem die wahre Wandlungskraft wirksam sein wollte. 

Paulus entlarvt die scheinheiligen Fragen nach Gottes Ehre, nach religiöser Korrektheit, ... die ihn anklagen sollen, als er durch sein Bekenntnis aufdeckt, wie gespalten Diejenigen sind, die sich hier zusammen getan haben, um ihn zu verurteilen. 
Die Ankläger werfen ihm "Irrlehren" vor - und sind sich selbst nicht einmal über die Lehre einig. Das hat schon fast etwas Ironische an sich - bwz. offenbart die Tragik der Selbstgerechtigkeit.
Für Paulus geht es weniger um seine persönliche Rechtfertigung, noch um seine Ehre, ... sondern wirklich und wahrhaftig um das heilige Evangelium, für das er bereit ist, auch sein Leben zu geben und für das er letztlich auch wirklich sein Leben hingeben wird. Es geht nicht um "wer hat Recht und wer hat Unrecht", sondern um die Wahrheit Gottes. 

Wie schwer fällt es uns oft, diesen inneren Abstand zu bekommen, geschweige denn zu erhalten, wenn es um Anklagen gegen uns im Zusammenhang mit unserem Glauben geht? 
Wie sehr mühen wir uns dann, dass man uns doch anerkennt, dass man uns Verständnis entgegenbringt, dass man uns doch respektiert und zuhört, dass man uns doch ernst nimmt ... und letztlich verlieren wir selbst dabei den Blick auf die Wahrheit, um die es gehen sollte: den HERRN!

In der Nacht tritt der Herr zu Paulus und ermutigt ihn. "Hab Mut! Denn so wie du in Jerusalem meine Sache bezeugt hast, sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen." 
Hand auf's Herz - würden wir das als Ermutigung sehen können? 
Das bedeutet doch, dass es nicht aufhören wird, dass Paulus nicht auf Freiheit und Zustimmung hoffen kann, dass der aussichtslos scheinende Kampf weiter geht - wie in Jerusalem - auch noch bis Rom? 
Was für eine Nacht! 
Nacht im tageszeitlichen Sinn, aber noch viel mehr im geistlichen Sinn! 
Nacht im Blick auf die verdunkelte Welt, die das Licht Gottes noch nicht kennt. 
Nacht im Sinn der verdunkelten Seelen, die gefangen in ihren Lügen und ihrem Selbstbetrug nur nach einem Gegner ausschauen, um nicht selbst umkehren zu müssen ...! 
Nacht im Sinne von Gefangenschaft des Paulus im dunklen Kerker - vielmehr aber noch all der geistlichen Gefangenschaft so vieler Menschen, die das Licht Gottes mit einer flackernden Kerze verwechseln und all die Nacht in so  vielerlei Sinn. 
Und der Herr tritt hinzu und sagt: "Hab Mut!"

Was für Worte des Herrn! Ja, da braucht es allen Mut! Es wird also weiter gehen! Doch der Fokus liegt nicht auf der Rechtfertigung des Paulus, Gottes Ermutigung meint nicht, dass ihm alle Probleme weggenommen werden und er in Ruhe und Ehre in eine andere Situation gehen darf, ... sondern Gott zeigt ihm in unsagbarer Liebe und Güte, dass es um "die Sache des Herrn" geht, für die er Zeuge ist. Die Ehre des Völkerapostels besteht nicht darin, dass man ihm in der Welt überall zustimmt, ihn hochjubelt und er in Freiheit und Würde überall willkommen wäre, ... sondern seine Ehre liegt im heiligen Auftrag, "die Sache des Herrn" bis nach Rom zu bezeugen. 

Seine Ehre ist die Ehre Gottes!
Seine Rechtfertigung ist der Auftrag Gottes!
Sei Mut ist die Gabe Gottes und seine Sendung!

Wie groß ist doch die Weisheit der Ewigkeit, die in dieser Lesung in unser Leben hinein strahlen will, um auch uns zu ermutigen, zu stärken und uns zu senden, dass wir nicht uns selbst verkünden und verteidigen, sondern mutig unser Leben geben - das in Gott geborgen ist!

Was könnte man dem ANTWORTPSALM hinzufügen?
Behüte mich, Gott, denn ich vertraue auf dich. - Halleluja. - 
Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr; mein ganzes Glück bist du allein.“
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; du hältst mein Los in deinen Händen. 
Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.
Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit. Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen. Du zeigst mir den Pfad zum Leben. 



Bild Public domain (Wikipedia)
In diesem Licht dürfen wir uns dem Heiligen Evangelium nahen.
Wiederum steht am Beginn der Satz, der uns Jesus zeigt, mit den zum Himmel erhobenen Augen, wenn das Hohepriesterliche Gebet heute fort gesetzt wird.
Das Gebet des Herrn, dessen Zeuge wir hier sein dürfen, scheint kaum mehr steigerungsfähig, wenn Jesus sagt: "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein"  
Im Bewusstsein, dass wir nicht nur hören dürfen, wie Gottes Sohn mit seinem Vater spricht, dass wir göttlichem Austausch "lauschen" dürfen, göttliche Bitten, göttliche Sehnsucht, göttliches Flehen erfahren dürfen, ... sind wir selbst sogar Gegenstand dieses göttlichen Gebetes!
Immer neu müsste uns das in die Knie fallen lassen!

Wie sehr sind wir geliebt, dass Jesus vor seinem Leiden keine anderen Sorgen und Bitten an seinen Vater hat, als uns und unsere Vollendung! Kann man das auch nur ansatzweise erahnen? 
Bevor Jesus selbst in die tiefste Gottverlassenheit der Schöpfung hinab steigen wird - denkt er nur an uns, spricht er zum Vater - von uns - fleht er um unfassbare Gnaden - für uns ...!

Es gibt wohl kaum eine Steigerung, wenn der Heiland heute den Vater bittet, dass wir in das innerste, verborgenste Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit aufgenommen werden: 
"Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein".
Kaum vorstellbar, was es in Wahrheit bedeutet, dass der Vater immer im Sohn ist und der Sohn immer völlig eins mit dem Vater ist, in der Einheit mit dem Heiligen Geist, der auch in uns wohnen will, ...!
Wir haben dafür kaum eine Imaginationskraft. Lediglich eine unsagbar tiefe Sehnsucht in uns lässt dieses Mysterium ein wenig ahnen, denn in jedem Menschen ist jenes Abbild Gottes, das heimkehren will in diese letzte Vereinigung, die uns aus unserer innersten Einsamkeit befreit, in der sich jeder Mensch findet und die er immer zu überwinden sucht.
"Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein ... Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. 
So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt."

Man muss diese Worte immer und immer wieder lesen, hören, kosten, betrachten, durch das Herz hindurch strömen lassen, sich diesem Glanz und dieser Strahlkraft immer neu aussetzen, ... damit das Dunkel der Gleichgültigkeit, der Trägheit und Verkrümmung in die weltlichen Belange ... davon aufgebrochen wird, wie der Grabstein am Ostermorgen!
Diese göttlichen Worte haben in sich die tiefe Gabe, uns zu durchdringen, zu umfangen, zu bergen und aufzuheben. 
Diese göttlichen Worte haben in sich die tiefe Gabe, uns auf den zarten Flügeln des Heiligen Geistes zu erheben, der uns durch diese heilige Pforte des Wortes Gottes in die Weite der ewigen Wahrheit tragen will.
Dies göttlichen Worte haben in sich die tiefe Gabe, uns mit ihrem Licht den Weg hinein ins Herz Gottes zu geleiten, in das Geheimnis der dreifaltigen Einheit, deren Abbild wir sind, deren geliebte Kinder wir sind!

Im Namen Gottes - mit der Herrlichkeit, die aus der Liebe strömt, noch vor Erschaffung aller Welt, vollendet in der Einheit des dreifaltigen Geheimnissses, ...
Wie oft werden wir diese gewaltigen Worte hören, lesen, denken, betrachten ... bis sie in uns immer mehr Gestalt gewinnen, in uns wachsen, uns von innen heraus formen, zum Leuchten bringen, ... bis wir wahrhaft Zeugen dieser Liebe Gottes sein werden.

Wie anders und heilig ist doch diese Einheit, die aus der Hingabe, aus der absoluten Hinwendung der Liebe im "Du" in einem mächtigen, alles erschaffenden und wandelnden "Wir" aufstrahlt!
Wie anders und heilig ist doch diese Einheit, die eine innere Kraft und schöpferische Wirklichkeit offenbart, aus der alles ist und auf die hin alles ist!
"Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin."

Können wir auch nur ein wenig ahnen, was es nun bedeutet, dass wir alles im "Namen Gottes" beginnen und vollenden dürfen, dass wir jedesmal, wenn wir das heilige Kreuzzeichen machen, in jene innerste Glut der Liebe Gottes eintreten dürfen, die uns aufnehmen will, weil der Sohn diese Bitte an den Vater gerichtet hat und der Vater dem Sohn nichts abschlägt, ...!
Begreifen wir ein klein wenig, was es bedeutet, durch die Heilige Taufe in dieses unfassbare Geheimnis der Liebe Gottes hinein getragen zu sein, darin leben zu dürfen, daraus leben zu dürfen und daraufhin leben zu dürfen?

Im Namen Gottes - geeint - damit die Welt glaubt ...!
Wie anders sieht eine "Ökumene" in Gottes Namen plötzlich aus - und hat so gar nichts mehr mit "Meinungen" und "Rechthaberei", mit "Forderungen" ... zu tun!

"Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin."
In Gottes Namen - in uns will Gottes Name verherrlicht sein - denn die Liebe Gottes ist ausgegossen über uns und im Hochheiligen Pfingstfest ersehen wir immer neu jene Fülle, die wir über uns und die ganze Welt erflehen.


Gebet:

Heiliger VATER,
ich bitte nicht mehr nur "Irgendetwas"
und auch nicht "irgendwie",
sondern durch JESUS CHRISTUS 
und im HEILIGEN GEIST,
dass DU uns eins machst,
nach dem Abbild DEINES dreifaltigen Geheimnisses,
in der Herrlichkeit DEINER Liebe,
die mächtig waltet, noch vor Anbeginn der Welt 
bis hinein in alle Ewigkeit!

Lass uns vollendet sein in der Einheit, 
die uns im Blut des Lammes 
und in der Gabe des GEISTES mit DIR vereint,
dass wir dort sind, wo DU bist und 
DU in uns verherrlicht bist,
wie DU im SOHN verherrlicht bist,
der uns DEINEN Namen offenbart hat,
damit DEINE Liebe in uns ist 
und wir in DIR
nun - und ewig.

Amen.


© 16.05.2013 / 24.05.2012 Michaela Voss 
Die Gedanken und betrachtenden Texte dieser Seiten unterliegen dem Urheberrecht und verstehen sich als persönliche und private Impulse zum Nachdenken (unbeschadet der unbeschränkten Anerkennung aller kirchlichen Lehräußerungen).



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