Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Samstag, 18. Mai 2013

7. Wo. Osterzeit - Samstag

Frei ist, wer allein an Gott gebunden 

Bild: Public domain:Jacek Andrzej Rossakiewicz,
The Prayer of Jesus, 1990 oil on canvas

7. Woche der Osterzeit - Samstag

1. Lesung:       Apg 28, 16-20.30-31
Antwortpsalm: Ps 11 (10), 4.5 u. 7 (R: vgl. 7b)
2. Lesung:       
Evangelium:    Joh 21, 20-25
Direkt zum      Schott-Messbuch

Paulus ist in der heutigen Lesung bereits als Gefangener in Rom angekommen. Was für eine Geduld. Was für eine Fähigkeit in allem die Gnade zu sehen und heraus zu holen. Paulus ist zwar gefangen, darf jedoch in einer Mietwohnung wohnen und wir "nur" bewacht. Er betrachtet die Umstände positiv, "um der Hoffnung Israels willen" und trägt in diesem Sinn freiwillig die Fesseln. 
Paulus ist kein Klagender oder Anklagender, sondern ein Hoffnungsträger.
Sind wir Hoffnungsträger? 
Sind wir Hoffnungsträger für die Kirche, für das Evangelium Christi? 
Sind wir Hoffnungsträger für die Verkündigung der Erlösung?
Sind wir bereit, lieber uns selbst in "Fesseln" zu begeben und sogar Unrecht zu erfahren, ... aus Liebe zur Kirche Gottes, aus Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern, unseren Hirten und Lehrern - weil uns die Liebe Gottes dazu antreibt?
Der Apostel sieht über den Augenblick hinaus und erhofft für sein Volk die Erlösung, die "Erkenntnis Christi", die Vollendung der Verheißung Gottes an seinem auserwählten Volk. Er sagt dazu an anderer Stelle: "Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen." (Phil 3,8)
Zwei Jahre lang ist er in dieser seltsamen Lage in seiner "Mietwohnung": Gefangen und doch in Christus frei, gebunden und doch nicht gefesselt. Alle, die zu ihm kamen, nahm er auf und "er verkündete das Reich Gottes und trug ungehindert und mit allem Freimut die Lehre über Jesus Christus, den Herrn, vor." 
Das ist seine Freiheit, die ihm wichtig ist. Ist das auch die Freiheit, die wir im Alltag finden können, weil wir immer nach dem Auftrag Gottes ausblicken und jede Gelegenheit mit der ihr eigenen "Gnade des Augenblicks" nutzen?        

Der Antwortpsalm verdeutlicht als kostbare Brücke zwischen Lesung und Evangelium das mächtige Gesetz von Freiheit und Recht. Da ist der Thron Gottes, der über allem steht und da ist das Tun des Menschen, das sich allein vor Gottes Gericht verantworten muss. 

Im Heiligen Evangelium setzt sich fort, was wir gestern betrachtet haben. Der Herr hatte Petrus dreimal nach seiner Liebe gefragt. Mit dem letzten Satz Jesu an seinen Apostel (von gestern) beginnt das Evangelium heute: "Folge mir!"
Was dann folgt ist typisch für uns Menschen! Wir vergleichen uns!
"Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, diesem folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird? 
Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm?"

Es ist uns wohl allen eigen, dass wir uns immer im Kontext dieser Welt und Menschen mehr betrachten, als wir uns im Angesicht des Herrn finden können. 

Wir vergleichen uns, interessieren uns für die Wege der Anderen oft mehr, ... als für das, was der Herr im Augenblick von uns will. Bezeichnenderweise drückt der Evangelist diese Haltung sehr eindrücklich aus, wenn er schreibt: "Petrus wandte sich um und sah, ..." 
Warum wendet sich Petrus denn von Jesus weg und um? 
Gerade noch hat der Herr ihm das Geheimnis der Liebe und seiner innersten Berufung anvertraut. Was sucht Petrus denn nun gleich wieder in seiner Umgebung? Es ist doch eine heilige Stunde seiner Berufung. Warum blickt er zurück / wendet sich um? 
Er sieht Johannes an, er erkennt, dass Johannes in besonderer Weise mit Jesus geht und will verstehen, was da geschieht, wohin er geht, wie er den Weg geht, was denn nun mit Johannes wird ... 
Er will den Weg des Johannes kennen und hat doch gerade erst einen ersten kleinen Schritt auf dem eigenen, neuen Weg tun können, der sich gerade vor ihm öffnet im Wort des Herrn. 

Die Antwort Jesu ist sehr klar und lenkt den Blick sofort wieder ganz in die rechte Richtung - den Willen des Herrn. Was mit Johannes werden wird, wie sein Weg der Nachfolge aussehen wird, ... all das ist in diesem Augenblick einzig das Geheimnis zwischen Gott und Johannes und Petrus darf lernen, dass es hier einen heiligen Raum der Berufung gibt, zu dem er keinen Zutritt verlangen darf.
Petrus lernt hier wohl eine der wichtigsten Lektionen des geistlichen Lebens: Es gibt ein Geheimnis zwischen Gott und jeder einzelnen Seele, in das niemand eindringen darf. 
Die Berufung ist einzigartig und man kann sich nicht vergleichen und man verliert den Blick auf den Herrn, wenn man nach den Berufungen anderer schielt, um sich zu orientieren, zu vergleichen, ... 
Die Antwort Jesu darauf lautet: "Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!" 

Das Wort des Herrn ist nicht schroff, so wie wir das vielleicht hören und deuten, sondern einfach und klar. Sein Wort trennt wie ein scharfes Schwert die falschen Maßstäbe vom Herzen des Apostels ab. Hier zeigt Jesus, dass es unangemessen ist, sich des Geheimnisses der fremden Seele bemächtigen zu wollen, in gedankenloser Neugier oder gar im Versuch, sich zu vergleichen.

Es ist allein am Herrn, uns zu offenbaren, was er offenbaren will - und nicht an uns, Geheimnisse zu ergründen, die heilig und verborgen bleiben sollen. 
Wir sind nicht befugt, den Willen Gottes über dem Leben eines anderen Menschen zu beurteilen oder zu ergreifen. 
Es ist uns nicht gestattet, eigenmächtig das Geheimnis Gottes im Anderen zu ergründen, ... sondern zuerst ist es unsere Aufgabe, den Willen Gottes für unser eigenes Leben zu erkennen und ihm zu folgen. "Du aber folge mir nach!"
Wie oft wollen wir lieber "anderen helfen", dass sie in unserem Sinne "heilig" werden - statt erst selbst den Willen Gottes für unser Leben zu erkennen und gehorsam den Weg zu gehen. Dabei ist unserer eigener Weg oft genug vor uns selbst verborgen und will ganz im Vertrauen und Gehorsam gegenüber Gott - über das Geheimnis des Kreuzes - ins Licht des Ostermorgens gegangen sein.
Im Blick auf Menschen, die wir lieben, die uns wichtig sind, die uns am Herzen liegen (wie Johannes für Petrus wichtig war) ... gilt das geistliche Gesetz: 

Wir dürfen in Ehrfurcht vor dem Geheimnis zwischen Gott und dem Anderen wohl manche Wegstrecke miteinander gehen und teilhaben, dennoch will der Herr, dass wir gerade die liebsten Menschen ganz seiner Formkraft überlassen und allein IHM anvertrauen. 
Johannes soll ein ganz einzigartiges Ebenbild Gottes werden - das anders aussehen wird, als die Ebenbildlichkeit des Petrus. 

Wir dagegen neigen so sehr dazu, dass wir die uns anvertrauten Menschen gerne nach unserem eigenen Abbild und Gleichnis gestalten wollen oder im anderen Fall, dass wir andere Menschen imitieren, Menschen gleichen wollen oder uns an sie in falscher Weise anpassen, ... 
Beides verliert jedoch die heilige, einzigartige Berufung, die sich zuerst am Herrn orientiert. Freilich gehört es auch im Leben dazu, dass wir einander mit-formen, aneinander wachsen, voneinander lernen dürfen, ... doch all das wird nur in dem Maß "Ewigkeitswert" und "Ewigkeitsfrucht" bringen, als das erste Maß der Herr und sein Wille über unserem Leben sind!

"Du aber folge mir nach!"  
Die Gerüchte, die sich hier sonst gleich einschleichen, verwirren, verfälschen und verdunkeln die Klarheit des Augenblicks und können über lange Zeiten unsinnige Fehlschlüsse produzieren, wie im heutigen Fall. Man stelle sich vor, was für eine seltsame Schlussfolgerung sich da verselbständigte: "Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht." Was für ein nutzloser, irreführender Unsinn! 
Was für eine vergeudete Zeit und was für ein fruchtloses Denken. Niemandem ist gedient mit Theorien und exklusiven und absurden Ideen, die sich aus einem falschen Blickwinkel ergeben, der sich anmaßt, das Geheimnis Gottes und der Seele gewaltsam zu entblößen. Der Herr wird es nicht zulassen und die unnützen Folgen schaden nur der Wahrheit und dem klaren Blick auf Gottes Willen - also dient es nicht dem Reich Gottes und ist zu vermeiden.
Jeder, dem Kindererziehung anvertraut ist, jeder, dem in irgendeiner Form geistliche Begleitung anvertraut ist, hat hier eine wichtige Leitlinie für erlaubte und unerlaubte Fragen und Einmischungen in das Geheimnis der anderen Seele. Nur in der heiligen Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes in der Seele des Anderen finden wir jene notwendige und angemessene Haltung, die uns nicht zu völlig absurden Schlüssen und Irrtümern verleitet.

Johannes ist eine glühende Adlerseele, die immer und immer neu den Blick der Menschen durch sein Evangelium auf Gott hin ausrichtet, den Maßstab ganz und gar im Willen Gottes ansetzt und in seiner Verkündigung die Herzen empor tragen möchte. 
All die Weisheit, die Johannes nicht aussprechen kann, nicht aufschreiben kann, ... weil sie unendlich ist, offenbart er dennoch in seinem Evangelium in den wenigen Worten, die uns immer neu ins heiligste Angesicht Gottes zurück führen wollen, so dass wir wieder zuerst fragen lernen: 
"Herr - was willst DU?" statt "Was will ich oder was will irgendwer ...?"
"HERR - wer bist DU?" statt "Wer bin ich, wie sehe ich aus, wie stehe ich da, ...?"
"HERR - wirke DU!" statt "Was kann ich, was tue ich, was tut irgendwer ...?"

Johannes hat den Blick des heiligen Engels erkannt, der alle Wirklichkeit allein im heiligsten Angesicht Gottes schaut und darin immer zur rechten Zeit den rechten Auftrag erkennt und vollbringen kann.
Johannes hat den Blick Mariens in sich aufgenommen, der alle Zeit aufmerksam und in tiefster Liebe und Hingabe aus dem "Ecce" und "Fiat" lebt, das so ganz Abbild und Gleichnis des menschgewordenen Herrn ist, der gekommen ist, und dessen Speise es war, den Willen Gottes zu tun. (vgl. Hebr 10,7-10; John 4,34)

In diesem Aufblicken finden wir in der Nachfolge Mariens und an der Seite unseres Heiligen Engels in die Haltung, die uns auf das Geheimnis des Heiligen Pfingstfestes vorbereitet. 
Ein Herz, das nach Gottes Willen ausblickt, nach Gottes heiligstem Angesicht ausschaut und nach seinem Wort dürstet, ... wird die Gabe Gottes in Fülle empfangen können.


Gebet:

Herr, allmächtiger Gott,
in Deinem Ruf zur Nachfolge 
ist schon der Weg bereitet

in Deinem Licht der Weg erhellt
in Deinem Wort die Wahrheit ausgesendet
die mich geleitet, weise führt.
In Deiner Weisheit ist die Gabe schon geschenkt
in Deinem Geheimnis die Fülle offenbar
in Deinem Willen ist mein Leben ja vollendet
heute schon, 
denn von Ewigkeit her
liegt mein Leben in Deinem Herzen geborgen.

Verherrliche Deinen heiligsten Namen
Du im Geheimnis, das mich ganz einhüllt
und in dem ich Dir ähnlich
Deine Schönheit preisen werde,
wenn Du vollendet hast,
was Du in mir begonnen
im Blut des Lammes 
und im Lebensatem, 
Deinem Heiligen Geist.

Komm und heile
komme und weise
komm und rufe
komm und statte aus.
Komm und erfülle
komm und leite
komme und bleibe
nun und ewig. 
Amen.


© 17.05.2013 / 26.05.2012 Michaela Voss 
Die Gedanken und betrachtenden Texte dieser Seiten unterliegen dem Urheberrecht und verstehen sich als persönliche und private Impulse zum Nachdenken (unbeschadet der unbeschränkten Anerkennung aller kirchlichen Lehräußerungen).



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